Im neuen Buch „Die Ernährungsmatrix“ zeigt Ernährungsökonom Dr. Klaus Postmann, wie Lebensmittelbranche, Alltag und Gewohnheiten unsere Essensentscheidungen prägen. Dazu wirft er einen genauen Blick auf das System hinter unserem Essen. Die zentrale These: Nicht nur Wissen und Willenskraft bestimmen, was auf unseren Tellern landet. Auch Verfügbarkeit, Gewohnheiten, Produktdesign und wirtschaftliche Interessen lenken unsere Entscheidungen. Häufig, ohne dass wir es bemerken.
Noch nie in der Geschichte der Menschheit konnten wir aus einer derartigen Vielfalt an Lebensmitteln wählen. Erdbeeren im Winter, Mangos aus Südamerika, Fisch aus dem Pazifik, Fleisch aus Argentinien und Superfoods aus den entlegensten Regionen der Welt. Unsere Supermärkte sind zu kulinarischen Weltausstellungen geworden. Alles ist verfügbar, alles scheint möglich. Und dennoch wird die Freiheit auf unseren Tellern zunehmend kleiner.
Wir verzichten auf Zucker, reduzieren Fett, meiden Fleisch, streichen Alkohol und zählen Kalorien. Wir essen proteinoptimiert, ballaststoffreich, pflanzenbasiert und möglichst ohne schlechtes Gewissen. Lebensmittel werden nicht mehr nur danach beurteilt, ob sie schmecken, sondern zunehmend danach, was sie angeblich mit unserem Körper machen. Aus dem Essen wird eine Gesundheitsentscheidung, aus dem Genuss eine Rechtfertigung und aus der Ernährung eine moralische Haltung.
Dabei hat sich etwas Entscheidendes verändert: Früher mussten wir essen, was verfügbar war. Heute sollen wir aus dem nahezu unbegrenzten Angebot vor allem das auswählen, was als richtig gilt.
Wenn gesunde Versprechen vom Produkt ablenken
Die Lebensmittelindustrie hat diese Entwicklung längst erkannt. Sie verkauft uns nicht mehr ausschließlich Lebensmittel, sondern zunehmend Versprechen: mehr Gesundheit, bessere Leistungsfähigkeit, längeres Leben, weniger Gewicht, mehr Wohlbefinden. Für jedes vermeintliche Ernährungsproblem gibt es mittlerweile ein passendes Produkt. Und für jedes Produkt eine wissenschaftlich klingende Begründung, warum wir es unbedingt brauchen.
Doch wer bestimmt eigentlich, was richtig ist? Die Ernährungswissenschaft? Oder die Lebensmittelindustrie? Gar die Politik? Soziale Medien? Vielleicht jene Algorithmen, die unsere persönlichen Vorlieben besser zu kennen scheinen als wir selbst?
Wir sind längst nicht mehr nur Konsumenten. Wir sind zu permanenten Entscheidern über unsere eigene Gesundheit geworden. Jeder Einkauf wird zur Abstimmung über unseren Lebensstil. Jeder Bissen zum Ausdruck unserer Überzeugungen. Und jeder vermeintliche Ernährungsfehler zur kleinen persönlichen Niederlage.
Ist Essen damit zur Ersatzreligion einer Gesellschaft geworden?
Natürlich ist gesunde Ernährung wichtig. Niemand muss ernsthaft darüber diskutieren, dass eine unausgewogene Ernährung langfristig gesundheitliche Folgen haben kann. Doch zwischen wissenschaftlich begründeter Vorsorge und der moralischen Bewertung unseres Essverhaltens liegt ein gewaltiger Unterschied. Nicht alles, was gesundheitlich sinnvoll erscheint, muss deshalb zur gesellschaftlichen Verpflichtung werden. Und nicht alles, was wir mit Genuss essen, ist automatisch unvernünftig.
Genau hier setzt das Buch „Die Ernährungsmatrix“ an. Es stellt nicht nur die Frage, was wir essen, sondern vor allem, warum wir essen, was wir essen – und wer unsere Entscheidungen tatsächlich beeinflusst.
Denn vielleicht besteht die größte Herausforderung unserer modernen Ernährung nicht darin, noch mehr Regeln zu befolgen, noch mehr Lebensmittel zu verbieten oder unseren Körper immer weiter zu optimieren.
Vielleicht müssen wir erst wieder lernen, selbstbestimmt zu essen.
Die Presseaussendung zum Buch gibt es hier nachzulesen.
Zum Buch
Die Ernährungsmatrix als Schlüssel zu Gesundheit, Energie und Longevity
Dr. Klaus Postmann
Erscheinungstermin: 2. November 2026, Braumüller Verlag
ISBN 978-3-99100-447-9
Erhältlich im gut sortierten Buchhandel, in vielen Onlineshops sowie hier.



